Freitag, 20. Februar 2009

Ein Temperaturunterschied von 50 Grad und dessen Folgen

Unüberraschenderweise kam ein Tag vor Reisebeginn mal wieder ein Wetterchaos nach Michigan, 20cm Neuschnee von Freitag auf den Samstag.
Auch der Schneesturm legte sich und so ging die Reise in der Nacht auf den Sonntag bei eisiger Kälte los. Eine Halbe Nacht auf dem Flughafen und 4,5 Stunden Flug plus ein kleiner Crosslauf beim Zwischenstopp in Charlotte (um in 15 Minuten vom Gate B zum Gate J zu kommen) später und wir wurden von einer Hitzewand und Palmenwedel in Miami begrüßt. Auf dem Weg zum Bus trafen wir auf ein sehr nettes Ehepaar aus Boston. Da wir feststellten, dass unsere Unterkünfte fast nebeneinander lagen, saßen wir kurzerhand mit bei ihnen im Taxi auf dem Weg nach South Beach.
Unser Hostel lag inmitten einer engen Gassen im südländischen Flair im Herzen von South Beach, 2 Blocks vom Strand entfernt.

Schnell 3er Kleidungslagen entledigt und ab ging es an den Atlantik.
Unsere weitere Erkundungstour führte uns entlang des Ocean Drives (eine der meist gezeigtesten Straßen in Filmen und Serien )

und auf Lincoln (Haupteinkaufsstraße).

Auf dem Español Way tauchten wir in das lateinamerikanisch geprägte Nachtleben ein,
genossen den teuersten Cocktail in unserem Leben

und ließen uns über die Essbarkeit des Bambusgewächses aufklären (was ungefähr so schmeckt wie wenn man in einen zuckergetränkten Holzspan beißt - warum auch nicht ? ;)

Die spanischen Klänger verfolgten uns noch bis ins Bett. Am nächsten Morgen ging es sofort zum Strand.

Die morgendlichen Wolken machten immer mehr der stark einstrahlenden Sonne Platz, jedoch war die Wärme durch ein mittelstark wehendes Lüftchen erträglich, fatal, wie sich herausstellen sollte.
Und so sonnten wir uns, schliefen ein, gingen baden und sonnten uns weiter.

Ich hätte glatt den ganzen Tag am Strand verbracht, jedoch machte meiner Freundin Tomke die Sonne am Nachmittag dann doch zu schaffen.
Und so entschieden wir uns für einen Stadtbummel, erkundeten eine Auswahl der unzähligen Kunstgallerien und begutachteten die neuesten Trends auf der Bootsmesse, die zu dieser Zeit in Miami für Aufsehen sorgte.













Zurück im Hostel der Blick in den Spiegel - kleiner Schock - ich hätte jedem Indianer Konkurrenz machen können.
Die Tatsache lies uns allerdings nicht davon abhalten uns wiederum ins nächtliche Getümmel zu stürzen.



Wer schon mal einen ordentlichen Sonnenbrand und -stich hatte weis in etwa wie sich die Nacht so anfühlt
Aber nichts desto trotz ging es am Dienstag Morgen in aller Frühe und Frische weiter, denn ein straffes Programm lag vor uns.
Zuerst ging es in den Everlgades Nationalpark, wo eine Bootstour anstand.

Diese bestand aus 2 Teilen. Im Ersten fuhren wir langsam, so dass wir einen guten Blick auf die immer wieder rechts und links vom Boot auftauchenden Alligatoren hatten.

Im zweiten Teil ging es dann mit Vollspeed durch das Sumpf- und Wassergebiet.

Hinterher stand noch eine kleine Tiervorstellung an. Bei der man auch so selbst einmal einen kleinen süßen Alligator in den Händen halten durfte (was sich in etwas so anfühlt wie sehr gutes Leder)

Jedoch konnte mich das Tierchen wohl nicht allzu gut leiden und ehe ich mich versehen hatte, war es mir aus den Händen gesprungen. Kurzer Aufschrei bei allen Anwesenden (leider gibt es auch aufgrund des kleinen Schocks von der Kamerafrau kein Bild) und ein 3 Sekunden später war das Tier wieder eingefangen.

Auf Mittag ging es dann nach Downtown Miami, eine Stadt mit vielen Gesichtern, die ganz stark lateinamerikanisch geprägt ist. So war auch die Stadtrundfahrt in Englisch sowie in Spanisch.
Vorbei an den Hochhäusern im Financial District fuhren wir nach Little Havanna.


Durch schicke Villenviertel ging es weiter ans Meer.


Bei der anschließenden Bootstour bekamen wir eine kleinen Eindruck, wo man sein Geld so anlegen kann, wenn man einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr zu viel hat.

Zum Beispiel auf der Fisher Island, die mit den teuersten Grundstückspreisen der gesammten USA beeindrucken kann und deren Einwohner das höchste Pro Kopf Einkommen von Nordamerika stellen. Aber auch auf Star Island, Hibiscus Island und Palm Island, wo Madonna ihr Sommerhaus neben Shaquille O´Neal hat und sich Julia Iglesias und Gloria Estefan zum Tennis treffen, lässt es sich ganz gut leben.


Und für die Tatsache, dass man unter seinesgleichen ist, denn Normalsterblichen bleiben die Stege zu diesen Inseln verwehrt, legt man doch auch ohne mit der Wimper zu zucken einen fünfstelligen Betrag im Jahr für Landschaftspflege hin. Am späteren Abend gab es einmal mehr den Beweis wie klein doch die Welt ist. Nichts ahnend trafen wir auf der Straße vor unserem Hostel 2 gut befreundete Au Pairs (mit der einen teilte ich bei der Orientation in New York das Hotelzimmer), für die Miami an diesem Abend Station ihrer Florida Reise war.
Am nächsten Morgen hieß es leider auch schon wieder Abschied nehmen und so fuhren wir auf Mittag wieder zum Flughafen.
Erst beim Einchecken bemerkten Tomke und ich, dass wir unterschiedliche Flüge gebucht hatte. Bei gleicher Air Line und auf eine Minute gleich terminierte Ankunftszeiten flog ich wiederum über Charlotte und Tomke über Philadelphia.
Aber auch das stellte kein unlösbares Problem dar und so befanden wir uns am späten Abend wieder im arktisch kalten Michigan.
Wenigstens wurde ich am nächsten Morgen im College gefragt, ob ich vom Strand direkt ins Kurszimmer gerollt wurde. Nur leider wird die sommerliche Bräune bald wieder verschwunden sein. Was bleibt, sind tolle Erinnerungen, die mir den aktuellen Blick aus dem Fenster (Schnee, Schnee und noch mehr Schnee) etwas erleichtern und die Hoffnung, dass auch hier der Winter seine finalen Auswirkungen zeigt.

Donnerstag, 12. Februar 2009

die Spitze ist erklommen

...und jetzt geht es schon wieder bergab. Was sich lediglich auf die Zeitspanne meines USA Aufenthalts bezieht, denn einige Höhepunkte stehen ja noch aus.
Das Bergfest stand also an, seitdem ich das letzte mal hier geschrieben habe. Es kam ganz plötzlich und genau so schnell ist es auch wieder verschwunden ;)
Hauptsächlich war ich in den letzten Tagen damit beschäftigt Essays zu schreiben. Denn in meinem Kurs in International Beziehungen müssen pro Kapitel 2 Essays geschrieben werden und zusätzlich durften wir 3 weitere für Extracredits schreiben. Gestern stand dann unser erster Test über die 4 Buchkapitel an und damit mussten auch alle unsere Hausaufgaben eingereicht werden. Der Test bestand amerikamäßig,aus 35 multiple choice Fragen und natürlich 3 Essays. Wer jetzt denkt, dass wir alle Fragen pünktlich gestern um 9 vorgelegt bekommen haben, liegt falsch. Nein, wir haben bereits eine Woche zuvor die 7 Essayfragen für den Test bekommen, aus denen wir dann 3 auswählen sollten und diese bereits vorschreiben durften (bzw. mussten, denn wer kann schon 35 Fragen beantworten und 3 Essays schreiben, innerhalb von 90 Minuten). Willkommen in Amerika. Für die Mathematiker unter euch gibt es jetzt drei Extracredits zu verdienen: Bei einer Kursstärke von 28 Studenten, unter der Annahme, das jeder alle 3 Extracreditessays geschrieben hat. Mit wie vielen Essays darf sich unser Dozent in den nächsten Tagen bespaßen?
Fest steht schon mal, dass der Mann eine feuchte Wohnung haben muss.
Die letzten beiden Wochenenden standen ganz im Zeichen des Schnees.
Vor 2 Wochen war ich Snowboarden. Dabei habe ich mich bewusst gegen das Skifahren entschieden, zum einen, weil die Berge in Michigan nicht unbedingt eine Herausforderung sind, zum anderen weil ein Armbruch leichter zu verkraften wäre als ein Beinbruch ;)
Lustig ist auch, dass alle "Skigebiete" (6-8 Lifte) um Detroit künstlich sind, was sich nicht nicht unbedingt auf den Schnee, sondern vielmehr auf die Berge bezieht.
Alle Knochen und Gelenke sind am Sonntag heil wieder in Huntington Woods angekommen, lediglich ein bisschen Muskeltkater gabs und die Erkenntnis, dass ich nach 5 Jahren der Snowboardabstinenz immer noch ohne Probleme den Berg herunter komme (und das nicht nur im Rutschen).
Diesen Sonntag ging es Rodeln. Aus Mangel an Hügeln, ging auch dieses Event mal wieder nicht in deutscher Gewohnheit von statten. So rodelt man also amerikanisch:
Man sucht sich 1-3 Verrückte, schnappt sich einen der riesigen Holtzschlitten, steigt auf einen Turm, lässt sich noch von 2 Menschen sicherheitstechnisch einweisen und ab gehts, ausgehend von einer Startrampe im unglaublichem Tempo in einer vorgegebenen Bahn nach unten.
Auch das Wetter sorgte in den letzten Tagen mal wieder für reichlich Abwechslung. Innerhalb von 4 Tagen gab es eine Wechsel von -25 Grad und schönstem Sonnenschein auf 14 Grad und Dauerregen. Mit dem Schmelzen des Schnees, kam auch die erste Osterstimmung auf, denn es wurden an die 25 verschwundene Eishockeypucks wiedergefunden.
In 2 Tagen entflieh ich erst einmal dem unschönen Michiganwetter, denn der Sunshine State Florida wartet darauf erkundet zu werden.