Die 3 aufgedonnerten Damen mittleren Alters neben mir unterhalten sich doch gerade tatsächlich darüber, wo man sich in Las Vegas am besten liften lässt. Ich erfahre einiges über die all-in-one Programme; ein bisschen Technikkunde ist auch dabei. Dank der Radiowerbung - in der Häufigkeitsstatistik rangieren die Schönheitsdoktoren hinter den Krankenhäusern wohl auf Platz 2 - kenne ich mich ja mittlerweile in der Szene etwas aus, zumindest was Michigan betrifft. Las Vegas war mir bis dato neu. Es wundert einen ja nicht, dass diese Stadt auch in der Hinsicht mit ganz besonderen Programmen punkten kann.
Irgendwann war genug über Botox und co geplaudert und es wurde zum nächsten Thema übergegangen, irgendein Charityball. Wie sehr kann man eigentlich ein Gespräch durch alle 3 Sekunden theatralisch eingeworfene "Oh my god", "Are you serious?" und "You gotta be kidding me!" Phrasen dramatisieren? Man muss wohl mit einem speziellen Gen geboren sein um das über längere Zeit auszuhalten.
Mein Blick schweift weiter. Vor mir hat es sich ein Teenager, schätzungsweise gerade von der High School graduiert, im Sessel bequem gemacht. Und während sie ihre Fußnägel lackiert wird telefoniert. Klassisches Gesprächsmuster: "He was like..."......"I was like....".....
Hinter ihr hat sich soeben eine Gruppe von 4 Frauen niedergelassen. Ein großer Berg an Wolle wird ausgepackt. Ahh, bestimmt ein Club der (anonymen) Strickerinnen oder Häklerinnen . Da ich von beidem keine Ahnung habe, bleibt es mir ein Rätsel was genau da veranstaltet wird. Sicher bin ich mir nur, dass es sich um einen Clubnachmittag handelt. Solche Vereinigungen sind für die Amerikaner das Tor zur Gesellschaft. Vorzugsweise geht es dabei um den Nachwuchs. Gemeinsam ist man stark, egal ob es um die Antipathie zum Mathelehrer oder die Sympathie zum Hockeycoach geht.
Wenn allerdings gerade keine Kinder zur Verfügung stehen, weil sie entweder schon am College oder aber noch gar nicht entstanden sind, greift man auf andere Dinge zurück. Und da sind die Amis wirklich kreativ. Vom Single Kochclub bis zum Liebesroman Buchclub, vom der Spinnenphobie Selbsthilfegruppe bis zur Freunde der aufgehenden Sonne in Südost Asien Vereinigung gibt es keine Macke für die nicht ein passender Club bereitsteht.
Während die Damen also in ihre Muster vertieft sind, geht es am gegenüberliegenden Tisch heiß her. 2 wichtig aussehende Anzugträger befinden sich wohl in einem Geschäftsgespräch. Es wird diskutiert, in Wälzern nachgeschlagen, der Taschenrechner gezückt und zum Telefon gegriffen. Das Wort mortgage (Hypothek) fällt und verschiedene Banken werden genannt.
Plötzlich wandert eine Tüte auf meine Platz. Der füllige Mann neben mir bietet mir irgendwas undefinierbares an. Sieht aus wie Hundefutter. Ich lehne dankend ab.
Männer in Anzügen, wichtig und beschäftigt aussehend, geben ihre Kaffee Bestellung auf. Frauen in Jogginghosen, mindestens genauso wichtig und beschäftigt tuend, laufen mit dem Starbucksbecher zur Tür hinaus.
Der Blick fällt auf die Uhr. Es ist Zeit zu gehen. Ich nehme meinen fast leeren Becher, laufe vorbei an den 3 Tussen, die sich mittlerweile über ihre Frisuren auslassen, sowie an 2 Menschen hinterm Laptop, gehe zur Tür hinaus und Richtung Auto. Während ich mich der Schule nähere, treffe ich die Entscheidung meine Kinder heute in der Pick Up Line einzusacken. Damit umgehe ich den Anblick und den Gesprächen der zahlreich vor der Schule wartenden Mütter. Schließlich sollte es mit den Portionen nicht übertrieben werden.

2 Kommentare:
hahaha...great I'm so with you...diese Art von Gespraechen koennten auch 1:1 uebertragen in so manchen Bostoner Cafes (besonders hier in Chestnut Hill) stattfinden...alles schon erlebt :)(in was fuer einer Welt leben wir eigtl???)
Hallo Alexrandra
ich bins der isch
Hast du wiedrer in deinem Kaffee dein "nicht so gut schmeckenden" amerikanisches Getränk getrunken.Weißt du, ohne nachzuschauen, was Abzugshaube auf Englisch heißt.
Tschüs
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